Hallo,
laenger ist es her dass ich hier geschrieben habe. Aus persoehnlichen Gruenden beende ich meine Reise vorzeitig, Julia faehrt wie geplant weiter und ist gerade auf dem Weg zum Yellowstone Park. Ich habe mir das ehrgeizige Ziel gesetzt in den verbleibenden Tagen, ich fliege am 24.07. zurueck, durch reine Pedalkraft Vancouver zu erreichen. Vor 550 Km haben sich also Julias und meine Routen getrennt, von Montana ging es durch wunderschoene alte Zedernwaelder nach Idaho, ebenfalls unheimlich reizvoll und schliesslich nach Washington, bis jetzt gepraegt von Kornfeldern und mittaeglicher Hitze bis 50 Grad.
Meinen Geburtstag verbinge ich bei einer sehr netten, fahrradbegeisterten Familie, der Gastgeber feiert heute zufaellig auch den Seinen und so feiern wir zu zweit. Heute also nur 50 Km, Entspannung, endlich eine Dusche, heute Abend Indiana Jones auf grosser Leinwand im Garten mit Grill und Bier und Torte und morgen frueh geht es um fuenf los zur letzten Etappe dieser Reise. Ich habe noch genau fuenf Tage Zeit fuer etwa 650 Km, inklusive einiger gewaltiger Berge. Also jeden Morgen vor Sonnenaufgang aufs Rad, solange fahren bis 38 Grad im Schatten erreicht sind, dann warten, essen, lesen, und Abends den zweiten Teil fahren, jeden Tag ab jetzt mindestens 120Km...
Es wird auf jeden Fall spannend, mein Gastgeber ist die Strecke schon gefahren, sagt sie ist wunderschoen, viele Berge, wilde Waelder, enge kurvige Strassen, und am Ende wieder entlang des Pazifik! Ich hoffe das zu schaffen, ansonsten muss ich eben mein Rad aufladen, es soll zumindest wieder kuehler werden. In Vancouver erwartet mich dann eine russische Familie, Freunde von unterwegs Getroffenen.
Noch einige Worte zur Ausruestung:
Kocher: Diesmal ist der MSR Whisperlight dabei, fuer einen Benzinkocher ist er wirklich erstaunlich leise. Zweimal setzte sich jedoch das Rueckschlagventil der Pumpe fest, es liess sich kein Druck mehr aufbauen - es dauerte ein wenig herauszufinden wie man sie wieder in Gang bekommt
Zelt: Salewa Denali II. Dieses Mal habe ich mich fuer etwas mehr Platz und ein wenig mehr Gewicht entschieden. Es erscheint mir sehr robust zu sein, absolut Regenfest, ist einfach und schnell aufzubauen, und wichtig: steht auch ohne Heringe, auch das Innenzelt laesst sich seperat aufbauen.
Toepfe: Teflonbeschichtetes Topfset von Esbit. Keinesfalls zu empfehlen. Ich wollte mir den Abwasch erleichtern, doch schon am zweiten Tag faengt die Beschichtung an sich abzuloesen. Wird nach der Tour zurueckgegeben!
Kette: Wippermann Connex 908, hat auf der letzten Reise tapfer durchgehalten, ist bei dieser allerdings einmal gerissen, Montagskette?
Kleines Kettenblatt von Mountain Goat: 20 Zaehne! Genial! Funktioniert einwandfrei und bietet selbst bei extremen Steigungen noch Spielraum "nach unten".
Lenkertasche: Ortlieb Ultimate 3. Das Material erscheint mir deutlich besser und haltbarer als jenes von MSX. Ortlieb baut sogar wasserdichte Kartentaschen, auch hier bleibt das Material flexibel und wird auch bei Kaelte nicht bruechig. Befestigung haelt auch problemlos, die Montage ist etwas fummelig.
Schlafsack: Ajungilak Tyin 3 Seasons. Ja, er hat wirklich ein grosses Packmass (11l), allerdings auch bei Frost schoen warm, bei extremen Temperaturen muss er erst noch getestet werden. Scheint robust zu sein und ist sogar bei 60 Grad waschbar!
Beleuchtung: Die parallel geschalteten Scheinwerfer sind klasse, der Nabendynamo liefert genuegend Energie alle drei Lampen zu versorgen. So lassen sich sogar Pisten gut ausleuchten.
Lenker: Problem geloest! Mit dem neuen Freeridelenker, Ergongriffen, Handschuhen von Gore und ovalen Hoernchen schlafen meine Haende nur noch bei grosser Kaelte ein.
Sattel: Auch mit dem schmalen Brooks B 17 kann ich mich nicht so recht anfreunden, vielleicht bin ich etwas zu empfindlich, ich werde mal bei SQ-Lab nach Alternativen suchen.
Rueckspiegel: Von Busch und Mueller, mit kurzem Aermchen. Absolut empfehlenswert! Moechte ich nicht mehr missen. Ganz entspannt in der Mitte der Fahrbahn fahren, kurzer Blick in den Spiegel - der Ruecken ist frei!
Packtaschen: Immernoch die Alten, nachdem mir Ortlieb kulanterweise eine Scheuerstelle und eine gebrochene Niete repariert hat. Halten seit Jahren und tausenden Kilometern sicher auf den Traegern und immernoch absolut wasserdicht!
Was ansonsten noch auffaellt:
Warum fragt mich hier jede Verkaeuferin wie es mir geht, wenn es ihr eigentlich egal ist? Warum fahren hier Wohnmobile herum, so gross wie Omnibusse, die im Schlepptau ein weiteres Auto dabei haben? Warum faehrt jeder zweite Mensch hier einen Pickup, wenn die Strassen doch asphaltiert sind?
Viele Gruesse, naechstes Mal aus Vancouver
Jens